Exkursion 2024
In diesem Jahr unterstütze der Förderverein Holzingenieurwesen an der HAWK in Hildesheim e.V. die Studiengänge konstruktiver Holzbau und Möbel- und Ausbau finanziell bei ihren Exkursionen.
Exkursionswoche: 04.11.2024 – 07.11.2024
Exkursionsberichte Vertiefung "Möbel und Ausbau“
Studiengang: Holzingenieurwesen, Vertiefungsrichtung: "Möbel und Ausbau"
Teilnehmer*innen: 12 Studierende des 3. Semesters
Organisatoren*innen:
· Prof. Dipl.-Ing. Dirk Niemann
· Dipl.-Ing Karl-Heinz Ramhorst
Besuchte Unternehmen:
| Datum | Unternehmen | Ort | Branche
1 | 04.11.2024 | Stiegelmeyer | Nordhausen | Krankenhaus-/Pflegemöbel
2 | 04.11.2024 | Binz | Ilmenau | Fahrzeugausbau
3 | 05.11.2024 | Flömö | Flöha | Individueller Innenausbau/Möbelbau
4 | 05.11.2024 | Sachsenküchen | Dippoldiswalde | Küchenmöbel
5 | 06.11.2024 | Deutsche Werkstätten Hellerau | Dresden | Innenausbau/Yachtenausbau
6 | 06.11.2024 | Homag Automation | Lichtenberg | Fertigungsautomatisierung
7 | 07.11.2024 | Bauhausmuseum | Dessau | Möbelgeschichte
Tag 1: Stiegelmeyer - Nordhausen
Am 4. November 2024 besichtigten wir den Stiegelmeyer-Standort in Nordhausen, einen führenden Hersteller von Möbeln für Krankenhäuser und Pflegeheime. Der Betrieb, der seit 1994 besteht, beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter auf 17.000 Quadratmetern Produktionsfläche.
Highlights der Exkursion:
- Unternehmensüberblick: Vortrag zur Firmengeschichte und jüngsten Modernisierung der Fertigungsprozesse
- Produktionsrundgang:
- Plattenlager mit 4.000 Platten Kapazität
- Automatisierte Formatsäge
- Flexible Kantenanleimmaschine mit 36 Kantenmaterialien
- Präzise Bohrmaschine
- CNC-Bearbeitungszentren (automatisch und manuell)
- Sortierzellen für die Montagevorbereitung
- Montageprozess:
- Manuelle Beschlagmontage
- Verleimung in der Korpus-Presse
- Qualitätskontrolle und Verpackung
Die Exkursion zeigte eindrucksvoll die Kombination aus hochmoderner Automatisierung und handwerklicher Präzision in der Möbelproduktion für den Gesundheitssektor.
Tag 1: Binz - Ilmenau
Exkursion zu BINZ Automotive in Ilmenau
Am 04.11.2024 besuchten Studierende des Holzingenieurwesens die Firma BINZ Automotive in Ilmenau. Das Unternehmen ist spezialisiert auf den Ausbau von Fahrzeugen zu Einsatz- und Sonderfahrzeugen.
Unternehmensprofil
- Standorte: Ilmenau (250 Mitarbeiter) und Plauen (170 Mitarbeiter)
- Produktion: 2500 Fahrzeuge jährlich, 95% für den deutschen Markt
- Kunden: Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr
- Zusätzlicher Geschäftszweig: Restaurierung von Militär-Sanitätscontainern
Interieurfertigung
- Seit 2017 in neuem 2000m² Gebäude
- Konstruktion mit IMOS-Software
- Hauptmaterial: HPL-belegtes Pappelsperrholz
- Wenig automatisierte Fertigung, viel Handarbeit
Besonderheiten
- Strenge Sicherheitsauflagen wegen sensibler Technik
- Fotoverbot in der Interieurfertigung
- Spannende Einblicke in eine ungewöhnliche Branche
Die 2,5-stündige Exkursion bot den Studierenden einen faszinierenden Einblick in die Welt des Sonderfahrzeugbaus und die Verbindung von Holztechnik und Automobilindustrie.
Tag 2: Flömö - Flöha
Exkursion zur Firma Flömö in Sachsen bei Flöha, einen modernen Innenausbaubetrieb mit traditionellen Wurzeln.
Digitale Prozesse
- Nutzung von Imos CAD/CAM seit ca. 20 Jahren
- Nutzung von IMOS
- Umfangreiche Datenbank mit anpassbaren Grundmodulen
- Automatische Erstellung von Beschlag- und Holzlisten
- ERP-System Borm für Produktionsorganisation
Fertigung
- Automatisiertes Plattenlager mit Zuschnitt und Etikettierung
- Halbautomatische Kantenbearbeitung
- Homag-Roboter für Teilehandling
- Zwei CNC-Maschinen für verschiedene Bearbeitungsschritte
- Korpusmontage mit 10-minütiger Pressung
- Manuelle Endmontage von Zusatzelementen
Oberflächentechnik
- Eigene Mischanlage
- Handspritzstand und Lackierautomat
- Maschinelles und manuelles Vorschleifen
Besonderheiten
- Großes Furnier- und Massivholzlager
- Einzelarbeitsplätze für Spezialanfertigungen
- Vier Montageteams für Außeneinsätze
Die Exkursion bot wertvolle Einblicke in die Nutzung moderner Technologien und effiziente Projektorganisation. Flömö zeigte sich offen für zukünftige Kooperationen mit der Hochschule.
Tag 2: Sachsenküchen - Dippoldiswalde
Am 05.11.2024 besuchte der Studiengang Holzingenieur (3. Semester) den Standort Dippoldiswalde von Sachsenküchen.
Unternehmensstruktur
- Zwei Werkteile: Werk 1 (Fronten, Arbeitsplatten, Lager, Lackiererei) und Werk 2 (Korpusfertigung)
- 250 Mitarbeiter, darunter bis zu 5 Auszubildende im Tischlerhandwerk
- Kapazität: 800 Schränke pro Tag (aktuell reduziert aufgrund geringerer Nachfrage)
Produktion
- Losgröße-1-Fertigung für individualisierte Aufträge
- Materialien: 16mm Spanplatte und 5mm MDF
- Tagesproduktion: 8500 Spanplattenteile, 1000 MDF-Rückwände
- Verschnitt: 8-10%, Späneabfall wird zum Heizen genutzt
Fertigungsprozess
- Automatisierter Plattenzuschnitt mit zwei Sägen (26 Platten/Stunde)
- Schmalflächenbearbeitung durch PU-Verleimung
- Robotersortierung nach Kommission
- Maschinelle Fehlerkontrolle mit manueller Nachprüfung
- Endmontage in Korpuspresse (schwächstes Glied der Produktionskette)
- Manuelle Kommissionierung der fertigen Korpusse
Besonderheiten
- "Kann-Teile-Lager" für Plattenreste
- Maschinenpark von "fives" (Frankreich) geplant und errichtet
- Endmontage 2022/2023 bei laufender Produktion umgebaut
- Geplante Einführung von Exo-Skeletten zur Mitarbeiterentlastung
Der Besuch bot einen umfassenden Einblick in die moderne und effiziente Fertigung von Küchenkorpussen bei Sachsenküchen.
Tag 3: Deutsche Werkstätten Hellerau - Dresden
Die Exkursion der Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH) bot spannende Einblicke in die Historie und die moderne Fertigung dieses traditionsreichen Unternehmens.
Historischer Überblick
- Gegründet 1898 von Karl Schmidt in Dresden
- 1907 Zusammenschluss mit Münchner Betrieb, Name "Deutsche Werkstätten"
- Entwicklung der Gartenstadt Hellerau ab 1909
- Nach der Wende: Fokus auf hochwertigen Innenausbau statt Serienmöbel
Aktuelle Ausrichtung
- Spezialisierung: Innenausbau von Megayachten und exklusiver Hochbau
- Mitarbeiter: 350, davon 75 Tischler und 5–8 Auszubildende pro Jahr
- Projekte: Mindestens 60 Meter lange Yachten (5 Neubauten, 2 Re-Fits während der Exkursion), Hochbauprojekte mit ca. 100 Mitarbeitern
- Projektlaufzeit: 2–3 Jahre, ausschließlich private Auftraggeber
Fertigung und Organisation
- Fertigungsfläche: 8000m² (6000m² Werkbänke/Maschinen, 2000m² Oberflächenbearbeitung)
- Maschinenpark: Zwei CNC-5-Achs-Bearbeitungszentren für Formteile (80–90% der Holzbauteile)
- Materialvielfalt: Verarbeitung unterschiedlichster Werkstoffe
- Teamarbeit: Projektbezogene Kleingruppen in Großraumbüros, Fokus auf Kommunikation und Qualitätsbewusstsein
Besonderheiten
- Liebe zum Detail und Inszenierung von Materialvielfalt
- Kombination von Handwerk, Design und Architektur für maßgeschneiderte Lösungen
- Offenheit für Praktika und Abschlussarbeiten
Die Deutschen Werkstätten Hellerau beeindruckten durch ihre Verbindung von traditionellem Handwerk mit modernem Design und technischer Präzision. Sie sind ein Symbol für herausragendes deutsches Handwerk und kreative Anpassung an anspruchsvolle Kundenwünsche.
Tag 3: Homag Automation - Lichtenberg
Am 06.11.2024 besuchten Studierende des 3. Semesters Holzingenieurwesen den Standort Lichtenberg der HOMAG Automation GmbH.
Unternehmensprofil HOMAG Group
- Gründung: 1960
- 14 Produktionsstandorte
- Ca. 6.500 Mitarbeitende
- Weltweit führender Anbieter für integrierte Lösungen in der Holzbearbeitung
HOMAG Automation GmbH Lichtenberg
- 170 Mitarbeitende
- Fokus: Montage- und Verpackungstechnik
- Hauptaufgabe: Testen von Maschinen in Produktionsstraßen und Softwareeinbindung
Exkursionsverlauf
- Unternehmenspräsentation durch den Standortverantwortlichen
- Vorstellung der Planungssoftware:
- Virtuelle Konfiguration von Produktionsstraßen
- Simulation von Plattenverarbeitung mit Echtdaten
- Kundennutzung zur virtuellen Maschinenaufstellung und Prozessoptimierung
- Produktionshallenbesichtigung:
- Detaillierte Erläuterung einzelner Maschinen durch Mitarbeitende
Die Exkursion bot den Studierenden einen umfassenden Einblick in die moderne Fertigungsplanung und -technologie der Holzbearbeitungsindustrie. HOMAG präsentierte sich als innovativer Anbieter, der Kunden von der virtuellen Planung bis zur realen Umsetzung komplexer Produktionsstraßen unterstützt.
Tag 4: Bauhausmuseum - Dessau
Das Bauhaus Museum in Dessau, eröffnet am 8. September 2019, präsentiert die umfangreiche Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau. Mit rund 49.000 katalogisierten Exponaten ist es die zweitgrößte Bauhaus-Sammlung weltweit.
Die Ausstellung "Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung" zeigt über 1000 Exponate, die die Geschichte der berühmten Schule in Dessau erzählen3. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von Bauhaus-Möbeln, insbesondere für Studierende der Vertiefungsrichtung Möbel und Innenausbau.
Wichtige Highlights:
- Gründung des Bauhauses 1919 durch Walter Gropius in Weimar
- Marcel Breuers Beitrag zur Möbelwerkstatt, einschließlich des Klubsessels B3 von 1927
- Entwicklung von Wohnzimmerschränken, Regalschränken, Schreibtischen und Stühlen
- Einführung von Zerlegmöbeln um 1929 und Verwendung neuer Materialien wie Linoleum
- Wagenfeld-Lampe, entworfen 1924 von Wilhelm Wagenfeld
Das Museum zeigt auch andere Bauhaus-Werkstätten wie Metallwerkstatt, Wandmalerei und Weberei. Es wird die Zusammenarbeit des Bauhauses mit bekannten Firmen hervorgehoben, wie Marcel Breuers Entwurf des Hockers B8 für Thonet 1927.
Die Ausstellung präsentiert originale Möbel, Leuchten, Textilien und Werke der bildenden Kunst, die das Bauhaus als lebendigen Ort des Lernens, Lehrens und künstlerischen Experimentierens darstellen.